23 | 02 | 2012

Historie

Historie

 

In der rheinhessischen Gemeinde Dienheim wurde am 22. Juni 1927 der  ”Verein der Sportfreunde Dienheim” aus der Taufe gehoben. An der Spitze  stand Adam Stüber.  Bereits seit 1912 bestand die Spielvereinigung Dienheim. Dieser  Zusammenschluss von Freunden des Fußballsports hatte es nicht leicht. Da zunächst kein Sportplatz zur Verfügung stand, mussten sie auf der Kuh-  oder Grasweide spielen, wo sie provisorische Tore aufstellten und stets den Feldschütz fürchten mussten, der - offenkundig kein Freund des  Fußballs - die sportbegeisterten Dienheimer von ihren improvisierten “Spielfeldern” vertrieb. Schließlich hatte die Gemeinde ein Einsehen und stellte den Kickern einen Sportplatz zur Verfügung. Das förderte das  Vereinsleben und den Einsatz der Spieler gleichermaßen. Wenn diese gegen die Mannschaften aus Nierstein oder Oppenheim kämpften, waren 500 bis  800 Zuschauer keine Seltenheit. Jedenfalls spielten die Dienheimer bald  in der damaligen B-Klasse. Nach der ersten Aufbauphase übergab Adam  Stüber das Amt des Präsidenten an Ludwig Zentel, der den Verein  systematisch und mit einer Reihe von ansehnlichen Erfolgen weiter  entwickelte. Die Gründung einer DJK- Fußballmannschaft brachte für die  Sportfreunde einen Rückschlag, weil mehrere gute Spieler zur DJK  wechselten.

Die tief greifenden politischen Veränderungen 1933 im Sport- und  Vereinswesen wirkten sich auch in Dienheim aus. Philipp Lohmann wurde  zum ”Vereinsführer” bestellt, die Vereinssatzungen der neuen Richtung  angepasst. Die Sportgruppen der DJK wurden aufgelöst. Dadurch kamen  Spieler und Anhänger wieder zurück und verstärkten Mannschaft und Verein. Die sportlichen Erfolge steigerten sich und erreichten ihren  Höhepunkt mit der Gruppenmeisterschaft 1934.

Es war nicht immer einfach, das politische Gleichgewicht zu halten. Mit Georg Kumb wurde ein Mann zum Vorsitzenden gewählt, der den Verein  mit viel Engagement und Fingerspitzengefühl durch eine bewegte Zeit  führte.  Ausgleichend und legendär waren die Fastnachtssitzungen der Sportfreunde in den letzten Vorkriegsjahren. Initiator war der ebenso legendäre  Jakob Becker, der auch noch in den Nachkriegsjahren die Narrenschelle  geschwungen hat.

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges bedeutete das vorläufige Ende der  Aktivitäten der Sportfreunde Dienheim. Jedoch bereits wenige Monate nach Kriegsende machten sich Hanni Steinfurth und Hans Krenzer auf, um dem Verein neues Leben einzuhauchen. Sie fanden rasch viele Mitstreiter.  Darunter eine Reihe von ”alten Aktiven”, aber auch zahlreiche junge  Menschen, die sich im Verein engagieren wollten. In dieser neuen  Aufbruchstimmung übernahm Hermann Steinfurth eine der schwierigsten  Aufgaben. Mit seinen damals siebzehn Jahren verhandelte er mit  ungewöhnlicher Ausdauer und geradezu diplomatischem Geschick mit den  deutschen Behörden und der französischen Militärregierung über die  Wiederzulassung des Vereins. Hermann Steinfurth besorgte neue Trikots  aus Reutlingen und neue weiße Sporthosen von französischen Freunden,  Bälle aus Worms.

Am 22. Juni 1946 fand eine Neugründungsversammlung statt. Danach  konnte der Vereins- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Für jedes Spiel, jedes Training und jede Spielerversammlung musste eine  Genehmigung bei der Militärbehörde beantragt werden. Fahrgenehmigungen  für Auswärtsspiele erteilte das Landratsamt. Verantwortlich für den  Verein zeichneten Peter Burkhardt, Ludwig Zentel sen. und Friedrich  Groh.
In der ersten ordentlichen Generalversammlung am 5. Oktober 1946 wurde Peter Burkhardt zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Nach der Weinlese 1946 wurden die Vereinsmitglieder zu einer  Weinspende aufgerufen. Die Aktion, an der sich auch Nichtmitglieder  beteiligten, war erfolgreich. Mit dieser ”Notwährung” oder ”Naturalwährung” konnten weiter Sportausrüstungen beschafft werden.
Die Bilanz der ersten sechs Monate ab Neubeginn konnte sich sehen  lassen. 15 Spiele wurden ausgetragen, davon 5 Siege und 2 Unentschieden. Der Gründungsball und ein Weihnachtsball brachten volle Säle.

Mit Wilhelm Reuter übernahm 1948 ein jüngerer Mann voller Tatendrang  das Amt des Ersten Vorsitzenden, das er über ein Vierteljahrhundert  ausübte. Er hat mit großem Engagement die Vereinsgeschichte entscheidend mitgeprägt.

Zwar hatte man nach dem Krieg noch einmal einige glanzvolle  Karnevalssitzungen abgehalten - mit welcher Begeisterung stimmten damals die Sitzungsbesucher in das ”Dienheimer Lied” ein, gedichtet von Heinz  Steinfurth - aber nach und nach wurden die Akteure älter, und langsam  beschränkte sich der Verein nur noch auf die Veranstaltung von  Maskenbällen und internen Vereinsfeiern.

In den Folgejahren galt es, praktische Probleme zu lösen. Als die  Dienheimer Sportfreunde im Juni 1952 ihr 25-jähriges Vereinsjubiläum  begingen, beschäftigte Wilhelm Reuter vor allem eine Frage: Wie konnte  die Qualität des Sportplatzes endlich verbessert werden? Durch  Verhandlungsgeschick stellte die amerikanische Garnison im nahen Dexheim den Dienheimern eine Woche lang Fahrzeuge und Personal zur Verfügung,  mit deren Hilfe Erde aus dem Oppenheimer Steinbruch herangeschafft  werden konnte. Der Südwestdeutsche Fußballverband steuerte schließlich  die Gelder für die Umgrenzung des Sportplatzes bei. Unter großem  persönlichem und finanziellem Einsatz wurden die noch recht einfachen  Vereinsräumlichkeiten umgebaut und dabei Umkleideräume sowie  Waschgelegenheiten geschaffen.

Kameradschaft wurde bei den Dienheimer Sportfreunden schon immer groß  geschrieben.
Dazu ein Beispiel:
Im Pokalspiel Oppenheim - Dienheim (1:3) wurde Karl Steinfurth,  Landwirt, verletzt. Er musste das Bett hüten. Natürlich waren aktive und inaktive Sportfreunde sofort eingesprungen, um die Kartoffelernte  einzubringen und weitere Arbeiten zu verrichten. Diese beispielhafte  Hilfsbereitschaft fand auch über die Gemeindegrenzen hinaus Beachtung,  selbst die Bildzeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 8. Oktober 1954  darüber. Beispielhaft auch für nachfolgende Generationen.

Ein weiterer Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der Sportfreunde war 1954 der Aufstieg in die A-Klasse Mainz und 1958 unter ihrem Trainer  Karl Rauschkolb in die zweite Amateurliga Rheinhessen (heute  Bezirksliga). Zehn Jahre lang behauptete sich die Mannschaft in dieser  Klasse.

Schon Seit November 1955 hatten die Dienheimer für eine Renovierung  ihres Sportplatzes gekämpft, doch erst im Mai 1966 gelang der  Durchbruch: Unter Mithilfe verschiedener Institutionen konnte die größte Baumaßnahme des Vereins gestartet werden. Die umfangreiche Sanierung  des Sportplatzes schlug mit 25.000 DM (12.782,30 Euro) zu Buche. Die  Kosten wären wesentlich höher ausgefallen, hätten nicht zahlreiche  Mitglieder ehrenamtlich Hand angelegt und somit zur gelungenen  Renovierung des Sportplatzes beigetragen; zum Beispiel hat auch jedes  Vorstandsmitglied aus eigener Tasche 100 DM (51,13 Euro) gespendet!

Der Verein feierte 1967 unter Mitwirkung aller Dienheimer Ortsvereine  sein 40-jähriges Bestehen. 1968 begann eine längere Phase der  sportlichen Misserfolge. Das fing an mit dem Abstieg in die A-Klasse  Nord. Ab dem Jahr 1971 spielte der Verein dann in der B-Klasse Mainz.

1973 wurde die Sport- und Festhalle ”Zum Siliusstein” mit dem  angrenzenden Sportgelände in Betrieb genommen, zum Vorteil für die  Sportfreunde.
Bevor es dazu kam, vollzog sich bei den Sportfreunden ein  Generationswechsel. Nach 26 Jahren ungewöhnlich erfolgreicher Tätigkeit  als Erster Vorsitzender legte Wilhelm Reuter sein Amt aus  Gesundheitsgründen nieder. Für seine Verdienste erhielt e - neben einer Reihe weiterer Ehrungen - die Vereinsnadel in Gold mit Brillanten. Als  Ehrenvorsitzender blieb Wilhelm Reuter ”seinem Verein” bis zu seinem Tod am 22. Dezember 1979 eng verbunden.

Nachfolger Reuters als Erster Vorsitzender wurde 1974 Detlev Hofmann.  Mit dem neuen Trainer Heinz Berndroth galt es, an die früheren  sportlichen Erfolge anzuknüpfen. Für diese gewiss nicht einfache Aufgabe brachte Berndroth zwei entscheidende Vorteile mit. Er verfügte über ein großes anerkanntes fußballerisches Können und zeichnete sich durch ein  hohes Maß an psychologischer Führungsfähigkeit aus. Bald ging es mit den Dienheimer Sportfreunden wieder aufwärts.

Sein 50-jähriges Jubiläum 1977 konnte der Verein daher mit einer  gesunden Portion Optimismus begehen. Zwei Wochen präsentierte sich der  Verein seinen Mitgliedern und Gästen auf verschiedensten Gebieten.  Fortan hatten die Sportfreunde auch eine eigene Vereinsfahne. Die  Mitglieder Siegfried Best, Hermann Steinfurth, Heinz Jochem, Volker  Asal, Karl Rothmann und Valentin Jugenheimer jr. hatten sie zum Jubiläum gestiftet. Als Ehrengast konnte Ottmar Walter, Mitglied der WM-Elf  1952, begrüßt werden.  Seit der Jubiläumsfeier 1977 richtet der Verein regelmäßig seine  jährliche ”Sportwoche” aus.

Im Jahr 1978 kehrte dann der sportliche Erfolg zurück. Die harte  Arbeit von Trainer Berndroth zahlte sich aus. Sowohl die erste als auch  die zweite Mannschaft errangen die Meisterschaft in der B-Klasse Mainz  und stiegen damit wieder in die A-Klasse Rheinhessen Nord auf.

Nicht immer können sich die Vorstände nur mit sportlichen Fragen  beschäftigen. Mitunter ist juristische Feinarbeit gefordert. Um die  Anerkennung der Sportfreunde Dienheim als gemeinnützigen Verein zu  erreichen, wurde die Satzung deshalb unter der Leitung des Ersten  Vorsitzenden Detlev Hofmann 1983 komplett überarbeitet.

Nach zehn Jahren außerordentlich erfolgreicher Tätigkeit nahm Heinz  Berndroth 1984 seinen Abschied als Trainer. Seine Nachfolge trat der  Jungtrainer Uwe Stallmann an, der an die Erfolge seines Vorgängers  nahtlos anknüpfen konnte.
Mitte der achtziger Jahre spielten erstmals zwei junge Mädchen,  Michele Bottmann und Tamara Krenzer, in einer Jugendmannschaft aktiv  mit. Fußball war nicht mehr ”nur Männersache”

Eine Reihe von sportlichen Erfolgen brachte die Sportfreunde im Jahr  1986 fast in die Bezirksliga Rheinhessen. Im Entscheidungsspiel zwischen Dienheim und Hechtsheim in   Nieder-Olm vor 1.300 Zuschauern verfehlten  die Dienheimer knapp den Aufstieg. 1987, im sechzigsten Jahr des  Bestehens des Vereins, gelang dies mit der überzeugend gewonnenen  Meisterschaft in der A-Klasse Rheinhessen-Nord in die Bezirksliga  Rheinhessen. Standen die achtziger Jahre ganz im Zeichen des Erfolges, so begannen  die neunziger Jahre mit einem Rückschlag. 1992 stiegen die Sportfreunde  Dienheim ab in die A-Klasse Rheinhessen Nord. Im Jahr darauf konnte  trotz aller Bemühungen ein weiterer Abstieg in die B-Klasse nicht  verhindert werden.

Nach 19 Jahren an der Vereinsspitze legte Detlev Hofmann 1993 sein Amt als Vorsitzender nieder. Mit Gustav Krenzer trat ein leidenschaftlicher Fußballspieler die Nachfolge an. Als Jugendspieler, Aktiver,  Jugendleiter und -betreuer, Platzwart, Spielausschussmitglied übernahm  er schon etliche Jahre zuvor Verantwortung im Verein, bevor er dann zum  Ersten Vorsitzenden gewählt wurde.

Dem Abstieg 1993 in die B-Klasse folgte 2001 ein weiterer Abstieg in  die Kreisklasse.

Die Geschichte eines Sportvereins wird auch von anderen Aktiven  geprägt, die sich unermüdlich für den Verein engagieren und ihn damit  nicht nur am Leben erhalten, sondern ihn zu einem festen Bestandteil in  der Gemeinde machen. Zu nennen wäre in diesem Zusammenhang Claus Peter  Reuter, der über 25 Jahre die ”Alte Herrenmannschaft” leitete und lange  Zeit als zweiter Vorsitzender amtierte. Sein großes Engagement für den  Verein ist unvergessen. Um so größer war die Lücke, die sein Tod im Jahr 1999 hinterließ. Auch Claus Bottmann samt Familie hat der Verein viel zu verdanken. Sie stellten ihre Beziehungen und Kontakte in den Dienst der Sportfreunde  und halfen dadurch, so manche Hürde zu überwinden.

Am 11.02.2002 fand nach langer Pause wieder ein Rosenmontagsball der  Sportfreunde statt, der von den Dienheimern und ihren Freunden mit  Begeisterung besucht wurde. Dieser Ball soll wieder fester Bestandteil  im Vereinsleben sein.

Im Mai 2002 blickten die Sportfreunde an ihrem 75-jährigen Jubiläum  nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn. Der Verein wird die  Nachwuchsarbeit weiter intensivieren und die Jugendarbeit gezielt auf-  und ausbauen. Ziel ist es, die Jugend systematisch in die aktive  Mannschaft zu integrieren.

Im Juli 2002 legte Gustav Krenzer nach neun Jahren sein Amt als 1.  Vorsitzender aus gesundheitlichen Gründen nieder. Die Suche nach einem  Nachfolger erwies sich bei der Generalversammlung als schwierig. Der  damalige 2. Vorsitzende Jakob Schenk erklärte sich schließlich bereit,  die Vereinsführung zu übernehmen.

Am 16.07.2004 wurde Gerhard Pfahl zum Nachfolger von Jakob Schenk  gewählt der nach nur 2 Jahren Amtszeit aufhörte.

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