Historie
In der rheinhessischen Gemeinde Dienheim wurde am 22. Juni 1927 der ”Verein der Sportfreunde Dienheim” aus der Taufe gehoben. An der Spitze stand Adam Stüber. Bereits seit 1912 bestand die Spielvereinigung Dienheim. Dieser Zusammenschluss von Freunden des Fußballsports hatte es nicht leicht. Da zunächst kein Sportplatz zur Verfügung stand, mussten sie auf der Kuh- oder Grasweide spielen, wo sie provisorische Tore aufstellten und stets den Feldschütz fürchten mussten, der - offenkundig kein Freund des Fußballs - die sportbegeisterten Dienheimer von ihren improvisierten “Spielfeldern” vertrieb. Schließlich hatte die Gemeinde ein Einsehen und stellte den Kickern einen Sportplatz zur Verfügung. Das förderte das Vereinsleben und den Einsatz der Spieler gleichermaßen. Wenn diese gegen die Mannschaften aus Nierstein oder Oppenheim kämpften, waren 500 bis 800 Zuschauer keine Seltenheit. Jedenfalls spielten die Dienheimer bald in der damaligen B-Klasse. Nach der ersten Aufbauphase übergab Adam Stüber das Amt des Präsidenten an Ludwig Zentel, der den Verein systematisch und mit einer Reihe von ansehnlichen Erfolgen weiter entwickelte. Die Gründung einer DJK- Fußballmannschaft brachte für die Sportfreunde einen Rückschlag, weil mehrere gute Spieler zur DJK wechselten.
Die tief greifenden politischen Veränderungen 1933 im Sport- und Vereinswesen wirkten sich auch in Dienheim aus. Philipp Lohmann wurde zum ”Vereinsführer” bestellt, die Vereinssatzungen der neuen Richtung angepasst. Die Sportgruppen der DJK wurden aufgelöst. Dadurch kamen Spieler und Anhänger wieder zurück und verstärkten Mannschaft und Verein. Die sportlichen Erfolge steigerten sich und erreichten ihren Höhepunkt mit der Gruppenmeisterschaft 1934.
Es war nicht immer einfach, das politische Gleichgewicht zu halten. Mit Georg Kumb wurde ein Mann zum Vorsitzenden gewählt, der den Verein mit viel Engagement und Fingerspitzengefühl durch eine bewegte Zeit führte. Ausgleichend und legendär waren die Fastnachtssitzungen der Sportfreunde in den letzten Vorkriegsjahren. Initiator war der ebenso legendäre Jakob Becker, der auch noch in den Nachkriegsjahren die Narrenschelle geschwungen hat.
Der Beginn des Zweiten Weltkrieges bedeutete das vorläufige Ende der Aktivitäten der Sportfreunde Dienheim. Jedoch bereits wenige Monate nach Kriegsende machten sich Hanni Steinfurth und Hans Krenzer auf, um dem Verein neues Leben einzuhauchen. Sie fanden rasch viele Mitstreiter. Darunter eine Reihe von ”alten Aktiven”, aber auch zahlreiche junge Menschen, die sich im Verein engagieren wollten. In dieser neuen Aufbruchstimmung übernahm Hermann Steinfurth eine der schwierigsten Aufgaben. Mit seinen damals siebzehn Jahren verhandelte er mit ungewöhnlicher Ausdauer und geradezu diplomatischem Geschick mit den deutschen Behörden und der französischen Militärregierung über die Wiederzulassung des Vereins. Hermann Steinfurth besorgte neue Trikots aus Reutlingen und neue weiße Sporthosen von französischen Freunden, Bälle aus Worms.
Am 22. Juni 1946 fand eine Neugründungsversammlung statt. Danach konnte der Vereins- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Für jedes Spiel, jedes Training und jede Spielerversammlung musste eine Genehmigung bei der Militärbehörde beantragt werden. Fahrgenehmigungen für Auswärtsspiele erteilte das Landratsamt. Verantwortlich für den Verein zeichneten Peter Burkhardt, Ludwig Zentel sen. und Friedrich Groh.
In der ersten ordentlichen Generalversammlung am 5. Oktober 1946 wurde Peter Burkhardt zum 1. Vorsitzenden gewählt.
Nach der Weinlese 1946 wurden die Vereinsmitglieder zu einer Weinspende aufgerufen. Die Aktion, an der sich auch Nichtmitglieder beteiligten, war erfolgreich. Mit dieser ”Notwährung” oder ”Naturalwährung” konnten weiter Sportausrüstungen beschafft werden.
Die Bilanz der ersten sechs Monate ab Neubeginn konnte sich sehen lassen. 15 Spiele wurden ausgetragen, davon 5 Siege und 2 Unentschieden. Der Gründungsball und ein Weihnachtsball brachten volle Säle.
Mit Wilhelm Reuter übernahm 1948 ein jüngerer Mann voller Tatendrang das Amt des Ersten Vorsitzenden, das er über ein Vierteljahrhundert ausübte. Er hat mit großem Engagement die Vereinsgeschichte entscheidend mitgeprägt.
Zwar hatte man nach dem Krieg noch einmal einige glanzvolle Karnevalssitzungen abgehalten - mit welcher Begeisterung stimmten damals die Sitzungsbesucher in das ”Dienheimer Lied” ein, gedichtet von Heinz Steinfurth - aber nach und nach wurden die Akteure älter, und langsam beschränkte sich der Verein nur noch auf die Veranstaltung von Maskenbällen und internen Vereinsfeiern.
In den Folgejahren galt es, praktische Probleme zu lösen. Als die Dienheimer Sportfreunde im Juni 1952 ihr 25-jähriges Vereinsjubiläum begingen, beschäftigte Wilhelm Reuter vor allem eine Frage: Wie konnte die Qualität des Sportplatzes endlich verbessert werden? Durch Verhandlungsgeschick stellte die amerikanische Garnison im nahen Dexheim den Dienheimern eine Woche lang Fahrzeuge und Personal zur Verfügung, mit deren Hilfe Erde aus dem Oppenheimer Steinbruch herangeschafft werden konnte. Der Südwestdeutsche Fußballverband steuerte schließlich die Gelder für die Umgrenzung des Sportplatzes bei. Unter großem persönlichem und finanziellem Einsatz wurden die noch recht einfachen Vereinsräumlichkeiten umgebaut und dabei Umkleideräume sowie Waschgelegenheiten geschaffen.
Kameradschaft wurde bei den Dienheimer Sportfreunden schon immer groß geschrieben.
Dazu ein Beispiel:
Im Pokalspiel Oppenheim - Dienheim (1:3) wurde Karl Steinfurth, Landwirt, verletzt. Er musste das Bett hüten. Natürlich waren aktive und inaktive Sportfreunde sofort eingesprungen, um die Kartoffelernte einzubringen und weitere Arbeiten zu verrichten. Diese beispielhafte Hilfsbereitschaft fand auch über die Gemeindegrenzen hinaus Beachtung, selbst die Bildzeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 8. Oktober 1954 darüber. Beispielhaft auch für nachfolgende Generationen.
Ein weiterer Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der Sportfreunde war 1954 der Aufstieg in die A-Klasse Mainz und 1958 unter ihrem Trainer Karl Rauschkolb in die zweite Amateurliga Rheinhessen (heute Bezirksliga). Zehn Jahre lang behauptete sich die Mannschaft in dieser Klasse.
Schon Seit November 1955 hatten die Dienheimer für eine Renovierung ihres Sportplatzes gekämpft, doch erst im Mai 1966 gelang der Durchbruch: Unter Mithilfe verschiedener Institutionen konnte die größte Baumaßnahme des Vereins gestartet werden. Die umfangreiche Sanierung des Sportplatzes schlug mit 25.000 DM (12.782,30 Euro) zu Buche. Die Kosten wären wesentlich höher ausgefallen, hätten nicht zahlreiche Mitglieder ehrenamtlich Hand angelegt und somit zur gelungenen Renovierung des Sportplatzes beigetragen; zum Beispiel hat auch jedes Vorstandsmitglied aus eigener Tasche 100 DM (51,13 Euro) gespendet!
Der Verein feierte 1967 unter Mitwirkung aller Dienheimer Ortsvereine sein 40-jähriges Bestehen. 1968 begann eine längere Phase der sportlichen Misserfolge. Das fing an mit dem Abstieg in die A-Klasse Nord. Ab dem Jahr 1971 spielte der Verein dann in der B-Klasse Mainz.
1973 wurde die Sport- und Festhalle ”Zum Siliusstein” mit dem angrenzenden Sportgelände in Betrieb genommen, zum Vorteil für die Sportfreunde.
Bevor es dazu kam, vollzog sich bei den Sportfreunden ein Generationswechsel. Nach 26 Jahren ungewöhnlich erfolgreicher Tätigkeit als Erster Vorsitzender legte Wilhelm Reuter sein Amt aus Gesundheitsgründen nieder. Für seine Verdienste erhielt e - neben einer Reihe weiterer Ehrungen - die Vereinsnadel in Gold mit Brillanten. Als Ehrenvorsitzender blieb Wilhelm Reuter ”seinem Verein” bis zu seinem Tod am 22. Dezember 1979 eng verbunden.
Nachfolger Reuters als Erster Vorsitzender wurde 1974 Detlev Hofmann. Mit dem neuen Trainer Heinz Berndroth galt es, an die früheren sportlichen Erfolge anzuknüpfen. Für diese gewiss nicht einfache Aufgabe brachte Berndroth zwei entscheidende Vorteile mit. Er verfügte über ein großes anerkanntes fußballerisches Können und zeichnete sich durch ein hohes Maß an psychologischer Führungsfähigkeit aus. Bald ging es mit den Dienheimer Sportfreunden wieder aufwärts.
Sein 50-jähriges Jubiläum 1977 konnte der Verein daher mit einer gesunden Portion Optimismus begehen. Zwei Wochen präsentierte sich der Verein seinen Mitgliedern und Gästen auf verschiedensten Gebieten. Fortan hatten die Sportfreunde auch eine eigene Vereinsfahne. Die Mitglieder Siegfried Best, Hermann Steinfurth, Heinz Jochem, Volker Asal, Karl Rothmann und Valentin Jugenheimer jr. hatten sie zum Jubiläum gestiftet. Als Ehrengast konnte Ottmar Walter, Mitglied der WM-Elf 1952, begrüßt werden. Seit der Jubiläumsfeier 1977 richtet der Verein regelmäßig seine jährliche ”Sportwoche” aus.
Im Jahr 1978 kehrte dann der sportliche Erfolg zurück. Die harte Arbeit von Trainer Berndroth zahlte sich aus. Sowohl die erste als auch die zweite Mannschaft errangen die Meisterschaft in der B-Klasse Mainz und stiegen damit wieder in die A-Klasse Rheinhessen Nord auf.
Nicht immer können sich die Vorstände nur mit sportlichen Fragen beschäftigen. Mitunter ist juristische Feinarbeit gefordert. Um die Anerkennung der Sportfreunde Dienheim als gemeinnützigen Verein zu erreichen, wurde die Satzung deshalb unter der Leitung des Ersten Vorsitzenden Detlev Hofmann 1983 komplett überarbeitet.
Nach zehn Jahren außerordentlich erfolgreicher Tätigkeit nahm Heinz Berndroth 1984 seinen Abschied als Trainer. Seine Nachfolge trat der Jungtrainer Uwe Stallmann an, der an die Erfolge seines Vorgängers nahtlos anknüpfen konnte.
Mitte der achtziger Jahre spielten erstmals zwei junge Mädchen, Michele Bottmann und Tamara Krenzer, in einer Jugendmannschaft aktiv mit. Fußball war nicht mehr ”nur Männersache”
Eine Reihe von sportlichen Erfolgen brachte die Sportfreunde im Jahr 1986 fast in die Bezirksliga Rheinhessen. Im Entscheidungsspiel zwischen Dienheim und Hechtsheim in Nieder-Olm vor 1.300 Zuschauern verfehlten die Dienheimer knapp den Aufstieg. 1987, im sechzigsten Jahr des Bestehens des Vereins, gelang dies mit der überzeugend gewonnenen Meisterschaft in der A-Klasse Rheinhessen-Nord in die Bezirksliga Rheinhessen. Standen die achtziger Jahre ganz im Zeichen des Erfolges, so begannen die neunziger Jahre mit einem Rückschlag. 1992 stiegen die Sportfreunde Dienheim ab in die A-Klasse Rheinhessen Nord. Im Jahr darauf konnte trotz aller Bemühungen ein weiterer Abstieg in die B-Klasse nicht verhindert werden.
Nach 19 Jahren an der Vereinsspitze legte Detlev Hofmann 1993 sein Amt als Vorsitzender nieder. Mit Gustav Krenzer trat ein leidenschaftlicher Fußballspieler die Nachfolge an. Als Jugendspieler, Aktiver, Jugendleiter und -betreuer, Platzwart, Spielausschussmitglied übernahm er schon etliche Jahre zuvor Verantwortung im Verein, bevor er dann zum Ersten Vorsitzenden gewählt wurde.
Dem Abstieg 1993 in die B-Klasse folgte 2001 ein weiterer Abstieg in die Kreisklasse.
Die Geschichte eines Sportvereins wird auch von anderen Aktiven geprägt, die sich unermüdlich für den Verein engagieren und ihn damit nicht nur am Leben erhalten, sondern ihn zu einem festen Bestandteil in der Gemeinde machen. Zu nennen wäre in diesem Zusammenhang Claus Peter Reuter, der über 25 Jahre die ”Alte Herrenmannschaft” leitete und lange Zeit als zweiter Vorsitzender amtierte. Sein großes Engagement für den Verein ist unvergessen. Um so größer war die Lücke, die sein Tod im Jahr 1999 hinterließ. Auch Claus Bottmann samt Familie hat der Verein viel zu verdanken. Sie stellten ihre Beziehungen und Kontakte in den Dienst der Sportfreunde und halfen dadurch, so manche Hürde zu überwinden.
Am 11.02.2002 fand nach langer Pause wieder ein Rosenmontagsball der Sportfreunde statt, der von den Dienheimern und ihren Freunden mit Begeisterung besucht wurde. Dieser Ball soll wieder fester Bestandteil im Vereinsleben sein.
Im Mai 2002 blickten die Sportfreunde an ihrem 75-jährigen Jubiläum nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn. Der Verein wird die Nachwuchsarbeit weiter intensivieren und die Jugendarbeit gezielt auf- und ausbauen. Ziel ist es, die Jugend systematisch in die aktive Mannschaft zu integrieren.
Im Juli 2002 legte Gustav Krenzer nach neun Jahren sein Amt als 1. Vorsitzender aus gesundheitlichen Gründen nieder. Die Suche nach einem Nachfolger erwies sich bei der Generalversammlung als schwierig. Der damalige 2. Vorsitzende Jakob Schenk erklärte sich schließlich bereit, die Vereinsführung zu übernehmen.
Am 16.07.2004 wurde Gerhard Pfahl zum Nachfolger von Jakob Schenk gewählt der nach nur 2 Jahren Amtszeit aufhörte.